schwer traumatisierter syrischer Fluechtling nach Polen abgeschoben – Bundespolizei und Gericht ignorieren besondere Schutzbedürftigkeit

Pressemitteilung vom Netzwerk gegen Lager und Abschiebehaft in
Eisenhuettenstadt vom 20.06.2014

Eisenhuettenstadt - schwer traumatisierter syrischer Fluechtling nach
Polen abgeschoben – Bundespolizei und Gericht ignorieren besondere
Schutzbedürftigkeit

Am vergangenen Montag, den 16.Juni, wurde ein 21-Jaehriger syrischer
Fluechtling, trotz schwerer Traumatisierung und besonderer
Schutzbedürftigkeit, nach 35 Tagen Haft nach Polen abgeschoben. Der
Student befand sich ueber 30 Tage in einem Gefängnis des Assadregimes in
Syrien. Er war dort Schlaegen und Folter, sowie acht Tagen Isolationshaft
in Dunkelheit ausgesetzt. Durch diese traumatisierenden Ereignisse
versuchte er sich nach seiner Entlassung das Leben zu nehmen, floh spaeter
über Jordanien und Polen nach Frankfurt/Main auf dem Weg zu seinem Bruder
in Köln. Dort wurde er von der Bundespolizei kontrolliert und in
Eisenhuettenstadt inhaftiert. Wie in den meisten Faellen, auf
Rechtsgrundlage des Dublin-III Systems, das Gefluechtete in ganz Europa
schikaniert, von Familienangehoerigen und Vertrauenspersonen trennt und
wegsperrt.

Der Betroffene wurde mehrfach von Unterstuetzer*Innen besucht, welche
daraufhin eine unabhaengige Psychologin von „KommMit für Migranten und
Flüchtlinge“ aus Berlin kontaktierten. In Eisenhuettenstadt war der junge
Mann zuletzt total abgemagert, hatte nachts panische Angst zu schlafen und
hatte seinen Apetit verloren. Er litt unter den immer wiederkehrenden
Bildern von der Folter in Syrien. Zudem hatte er Suizidideen.

"Er war dringend behandlungsbedürftig, hätte niemals als ein Opfer von
Folter und Menschenrechtsverletzungen in Abschiebehaft genommen werden
dürfen, da dies zu einer Retraumatisierung führt." - so die Psychologin
von „KommMit für Migranten und Flüchtlinge“, Hanna Greve.

Eine psychologische Stellungnahme konnte vom Verwaltungsgericht
Frankfurt(Oder) nicht mehr geprueft werden, da der Betroffene, anders als
vom Bundesamt angekuendigt, bereits am Vormittag des 16. Juni abgeschoben
wurde.

Selbst eine psychologische Einschätzung von Mitarbeiter*Innen der
Ausländerbehörde von Anfang Mai hatte eine besondere Schutzbedürftigkeit
aufgrund der Traumatisierung erkannt, dies wurde der Bundespolizei, sowie
dem zuständigen Gericht auch mitgeteilt. Was diese jedoch ignorierten und
woraufhin ein Amtsarzt ihn für reisefähig erklärte.

Wir fordern die sofortige Veranlassung der Wiedereinreise des Betroffenen
und die Zusammenfuehrung mit seinem Bruder in Köln. Inhaftierung von
traumatisierten und schutzbeduerftigen Menschen auf der Flucht ist
fahrlaessig und menschenrechtlich nicht hinnehmbar. Die wahnsinnige
Dublin-III-Abschiebepolitik muss aufhoeren!

Kontakt: 015217246673

Kontakt mit Hanna Greve, Diplom-Psychologin, auf Anfrage

Chronik: www.lagerwatcheisen.blogsport.eu/chronik/

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