Chronik

Hier entsteht momentan eine Chronik, die Schicksale einiger Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt seit 1993 dokumentieren soll.

Ein Großteil der Informationen basiert auf der Arbeit der Dokumentationsstelle der ARI – Antirassistische Initative – Berlin.

Mindestens 23 mal haben sich Flüchtlinge in Abschiebehaft und Lager aus Verzweiflung vor der Abschiebung oder aus Protest gegen die drohende Abschiebung (Hungerstreik) bzw. aus Protest gegen die schlechte Behandlung selbst verletzt oder versuchten sich umzubringen und überlebten zum Teil schwer verletzt.

Mindestens zwei Flüchtlinge nahmen sich während ihres Aufenthalts in der ZAST das Leben.

In mindestens einem Fall wurde ein Flüchtling auf der Straße von der Polizei misshandelt.

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16. Juni 2014 – Abschiebung

Ein 21-jähriger syrischer Geflüchteter wird nach 35 Tagen Haft nach Polen abgeschoben. Ausländerbehörde, sowie eine unabhängige Psychologin wiesen das zuständige Gericht sowie die Bundespolizei daraufhin, dass er besonders schutzbedürftig aufgrund seiner Traumatisierung sei. In Eisenhuettenstadt war der junge Mann zuletzt total abgemagert, hatte nachts panische Angst zu schlafen und hatte seinen Apetit verloren. Er litt unter den immer wiederkehrenden Bildern von der Folter in Syrien. Zudem hatte er Suizidideen.

Quelle: lagerwatcheisen

30. Mai 2014 – Hungerstreik

Ein aus Tschetschenien geflüchteter Mann verweigert für zwei Tage die Aufnahme von Nahrung in der Haft. Grund dafür war eine seiner Meinung nach nicht adäquate Behandlung im städtischen Krankenhaus. Er litt unter starken Schmerzen, in seinem Bauch befand sich eine Pistolen-Kugel.

Quelle: lagerwatcheisen

11. Februar 2014 – Suizidversuch

Ein aus Tschetschenien geflüchtetes Ehepaar soll abgeschoben werden. Einen Tag zuvor schneidet sich die Frau die Venen auf, wird notdürftig im Krankenhaus behandelt und beide werden am darauffolgenden Tag nach Polen abgeschoben. Die Frau berichtete von sexueller Gewalt innerhalb ihrer Familie in Tschetschenien und durch einen Teil der tschetschenischen Community in Polen.

Quelle: lagerwatcheisen

23. Dezember 2013 – Suizidversuch

Ein inhaftierter aus Tunesien Geflüchteter verletzt sich am Kopf und den Beinen selbst und schneidet sich die Venen auf. Er verbingt fünf Tage im Krankenhaus und wird wenige Tage später nach Itlaien abgeschoben.

Quelle: lagerwatcheisen

11. Dezember 2013 – Suizidversuch

Ein inhaftierter aus Afghanistan Geflüchteter trinkt Shampoo und wird für mehrere Wochen im Krankehaus psychologisch behandelt.

Quelle: lagerwatcheisen

25. Oktober 2013 – Hungerstreik

Vier im Abschiebeknast inhaftierte Geflüchtete aus Georgien treten für drei Tage in einen trockenen Hungerstreik. Sie protestieren damit gegen vorrangegangene Gerichtsentscheidungen, in denen ihre Haft bis zu zwei einhalb Monaten von der Bundespolizei beantragt wurde und durch das Amtsgericht in Eisenhüttenstadt bestätigt wurde. Sie wurden nach ihrer Einreise nach Deutschland im „Berlin-Warszawa-Express“ auf dem Frankfurter Bahnhof aufgegriffen und wegen vermeintlicher „illegaler Einreise“ verurteilt. Aufgrund eines Verfahrensfehlers des Gerichtes müssen die vier betroffenen Flüchtlinge am 14. November entlassen werden.

Quelle: MAZ

03. August 2013 – Neonaziangriff

Anhänger_Innen der NPD wollten eine Kundgebung vor den Toren der ZAST gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ abhalten. Bei der Ankunft der 20 Neonazis griffen einige von ihnen Gegendemonstrant_Innen mit Pfefferspray und Fahnenstöcken an. Darunter der NPD Stadtverordnete aus Guben – Markus Noack – und der JN-Landesvorsitzende – Pierre Dornbrach. Die Neonazi-Kundgebung wurde daraufhin untersagt.

Quelle: Kein Ort für Nazis FF(O), rbb

12 – 26.Juli 2013 – Hungerstreik

Zehn im Abschiebeknast inhaftierte Flüchtlinge treten in einen Hungerstreik. Ihre Forderungen waren: Aufhebung der Haft!  Aufhebung aller Abschiebebescheide! ein fairer Zugang zu einem Asylverfahren! ein freier Zugang zu externer, unabhängiger medizinischer und psychotraumatischer Versorgung! einen freien und kostenlosen Rechtsschutz ermöglichen! Zugang zu unabhängigen Dolmetscher*Innen!. Bis zu fünf inhaftierte Flüchtlinge treten wenig später in einen trockenen Hungerstreik, alle müssen vorübergehend im Krankenhaus behandelt werden. Die Ereignisse erregten überregionales Medieninteresse, besonders als es zu der Abschiebung des georgischen Flüchtlings Genadi K. aus dem Krankehaus heraus kam. Ihm wurde eine Reisetauglichkeit attestiert, obwohl er seit zwei Wochen keine feste Nahrung und seit einigen Tagen auch keine Flüssigkeit zu sich nahm.

Quelle: lagerwatcheisen

5. Juni 2013 – Suizidversuch

Ein aus Somalia Geflüchteter versucht sich in seinem Zimmer aufzuhängen. Er wird dabei aus einem anderem Zimmer von Bewohner_Innen beobachtet, welche im letzten moment das Seil durchscneiden können. Er wird ins Krankenhaus eingeliefert und taucht danach nie wieder im Eisenhüttenstädter Lager auf.

Quelle: Geflüchtete aus dem Eisenhüttenstädter Lager

10.Juli 2013 – Suizidversuch

Der 21-jährige aus Georgien geflüchtete Gigi Grigalshvili begeht im Abschiebeknast einen Selbstmordversuch. Er verletzte sich mit einer Rasierklinge mit zahlreichen Schnitten an den Armen und am Bauch. Laut eigener Aussage wurde er danach bei dem Versuch, sich die Halsschlagader aufzuschneiden, vom Wachpersonal überwältigt. Gigi schilderte, dass er unter anderem an Klaustrophobie leidet und traumatisiert ist. Während seines Aufenthalts im Abschiebegefängnis hatte er keinen Zugang zu psychotraumatischer Betreuung. Nachdem er zwei Nächte im Krankehaus verbrachte, wurde Gigi am Freitag gegen den Willen des behandelnden Arztes in das Abschiebegefängnis zurückgeführt. Laut anwesenden Zeug_innen war er zu diesem Zeitpunkt immernoch suizidgefährdet und keineswegs hafttauglich. Er trat danach zusammen mit neun weiteren in Abschiebehaft befindlichen Flüchtlingen in Hungerstreik.

Quelle: lagerwatcheisen

28. Mai 2013 – Suizid

Der aus dem Tschad geflüchtete Djamaa Isu erhängt sich in der ZAST selbst. Ihm drohte eine Abschiebung nach dem Dublin II-Verfahren.

Quelle: fels

20. Mai 2013 – Suzidversuch

Eine kurdische Familie soll abgeschoben werden. Der Vater nimmt am selben Tag eine Überdosis Schlaftabletten zu sich und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wenige Tage später wird die Familie abgeschoben.

Quelle: Geflüchtete aus dem Eisenhüttenstädter Lager

13. Juli 2012 – Anschlag

Im Wohnheim der ZAST brennt es gegen 03:00 Uhr morgens. Unbekannte haben eine Matratze an die Tür eines Wohnraumes gelehnt und angezündet. Die beiden 18 und 23 Jahre alten somalischen Bewohner des Raumes erwachen durch die Rauchentwicklung und können sich durch das Fenster über ein Baugerüst ins Freie retten. Als die Rettungskräfte der Feuerwehr eintreffen, steht die Tür bereits in Flammen, kann jedoch schnell gelöscht werden. Die Polizei nimmt Ermittlungen wegen Brandstiftung auf.

Quelle: MOZ 13.07.2012

Im Jahre 2011 befanden sich mindestens 6 minderjährige Flüchtlinge in Abschiebehaft.

Quelle: BT/DS 17/10597

23. Juli 2011 – Suizidversuch

Poclaire W. soll entsprechend dem Dublin II Abkommen nach Zypern zurückgeschoben werden. Er versucht sich mit einer Überdosis Tabletten zu vergiften. Er wird auf die Intensivstation des Humboldt Klinikums nach Berlin gebracht. Trotz des erneuten Suizidversuchs und entgegen dem Rat der behandelnden Ärzte ist seine Abschiebung für den 25. Juli geplant. Diese wird durch Intervention von Flüchtlingsrat Brandenburg, des Rechtsanwalts und verschiedener Flüchtlingsinitativen verhindert. Im Februar 2012 verstreicht die Frist für eine Abschiebung nach Dublin II, so dass ein Asylverfahren in der BRD durchgeführt werden muss.

Quelle: Gemeinsame Presseerklärung von Frat Brb, FIB, Refugees Emancipation, Initative U.R.I vom 26.07.2011

8. Juli 2011 – Suizidversuch

Am zweiten Tag in Haft verletzt sich der 25 Jahre alte Kameruner Poclaire W. an Kopf und Armen. Wegen schwerer psychischer Probleme erfolgt dann seine Verlegung in die geschlossene psychatrische Abteilung des örtlichen Krankenhauses.

Quelle: MAZ 07.07.2011

Im Jahre 2010 befanden sich mindestens 5 minderjährige Flüchtlinge in Abschiebehaft.

Quelle: BT DS 17/10597

26. März 2010 – Rechtsbruch

Nachdem eine Frau aus Kenia das Taxi verlassen hat, um in der ZAST einen Asylantrag zu stellen, wird sie von Beamt_Innen der Bundespolizei festgenommen. Ihr Begehren nach Asyl, das sie laut Bundespolizei auch vor dem Haftrichter äußert, wird ignoriert. Sie kommt wegen illegaler Einreise in Abschiebehaft und erst hier gelingt es ihr, einen Asylantrag zu stellen. Erst nach 14 Tagen Abschiebehaft wird sie entlassen und kommt in die ZAST. Diese Festnahmen in unmittelbarer Nähe der ZAST, in der Schutzsuchende den Asylantrag stellen wollen, sind keine Seltenheit. Bereits im Februar wurden zwei Kameruner und eine Kenianerin am Bahnhof von der Bundespolizei wegen illegaler Einreise festgenommen. Auch im Jahre 2009 kam es öfter zu derartigen polizeilichen Übergriffen.

Quelle: Neues Deutschland

1. März 2010 – Selbstverletzung

Ein 35 Jahre alter Gefangener aus Pakistan verletzt sich nach fünf Tagen in Abschiebehaft selbst im Gesicht – eine medizinische Behandlung der Verletzungen lehnt er ab.

Quelle: Ministerium des Innneren Brandenburg – 15.3.2011

26. Februar 2010 – Suizidversuch

Ein 21 Jahre alter Abschiebegefangener aus dem Kongo trinkt in selbsttötender Absicht Seifenlauge und versucht sich anschließend zu strangulieren. Er wird rechtzeitig entdeckt und kommt verletzt ins Krankehaus. damit ist er nach 203! Tagen Gefangenschaft aus der Haft entlassen.

Quelle: Ministerium des Inneren Brandenburg – 15.3.2011

Im Jahre 2009 befanden sich mindestens 13 minderjährige Flüchtlinge in Abschiebehaft. Ein minderjähriger Flüchtling war länger als sechs Monate in Gefangenschaft.

Quelle: BT DS 17/10596, BT DS 17/10587

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