Offener Brief an Frank Nürnberger, Direktor der ZAST und des Abschiebegefängnisses Eisenhüttenstadt

english version below

An Herrn Frank Nürnberger

Direktor der ZAST und des Abschiebegefängnisses Eisenhüttenstadt

Wir sind ein Netzwerk von politisch engagierten Geflüchteten, Migrant_Innen und anderen solidarischen Menschen, welche regelmäßig das Abschiebegefängnis aufsuchen.

Schon seit einigen Jahren kann die Bundespolizei in Eisenhüttenstadt außergerichtlich beschlossene Abschiebungen von inhaftierten Asylbewerber_Innen durchführen, welche auf dem Weg waren, um ihren Asylantrag zu stellen. Das macht es den Asylsuchenden schwer oder sogar unmöglich, ihre Rechte wahrzunehmen[1].

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wovon wir sprechen, und um zu verstehen, wie die Menschen in dem Abschiebegefängnis unter Ihrer Verwaltung inhaftiert werden, ist es bereits genug, die Praktiken der Bundespolizei am Bahnhof Frankfurt(Oder) zu beobachten. Wenn der Zug Warschau-Berlin ankommt, bringen die Polizeibeamt_Innen rechtlich umstritten gezielt ausgesuchte Menschen mit vermeintlich fremdem Aussehen aus dem Zug (racial profiling[2]). So inhaftieren sie die Asylsuchenden direkt nach einer kurzen Gerichtsanhörung ohne unabhängigen Rechtsschutz.

Ein anderer außergewöhnlicher Umstand in Eisenhüttenstadt ist die Beziehung zwischen der Bundespolizei und dem Gericht. Die Gewaltenteilung, welche eine Demokratie von einem Polizeistaat unterscheidet, scheint für die Asylbewerber_Innen nicht zu existieren. Das wird nicht nur durch die Lage beider Institutionen in einem Gebäude offensichtlich, sondern auch durch das Verhalten der Polizist_Innen während der Gerichtsverhandlungen. Sie erlauben sich, die verteidigenden  Anwält_Innen zu unterbrechen und das Wort an sich zu reißen, dies mit der Toleranz der Richter_Innen.

Die Öffentlichkeit wurde bereits aufmerksam auf die politische Machtausübung einiger Richter_Innen des Gerichts in Eisenhüttenstadt. Diese Aufmerksamkeit kam durch eine Anklage von dem Republikanischen AnwältInnen Verein wegen Rechtsbeugung und Volksverhetzung gegen eine Richterin des Eisenhüttenstadter Amtsgerichtes  im Oktober 2013 medial zum Vorschein[3].

Bezüglich der medizinischen Versorgung innerhalb der Infrastruktur des Abschiebegefängnisses in Eisenhüttenstadt wurden manche Fälle dokumentiert, in welchen der Amtsarzt nach dem Besuch ernsthaft traumatisierter Personen medizinische Gutachten mit dem Ergebnis des „Asylmissbrauchs“ verfasste sowie sie in seinem ärztlichen Rat als „abschiebetauglich“ einschätzte. Unter unseren Augen wurde ein georgischer Geflüchteter zum Flughafen gebracht und von der Bundespolizei ausgewiesen, und dies direkt von der öffentlichen psychiatrischen Klinik in Eisenhüttenstadt aus, nach einem 11- tägigen Hungerstreik und gegen den Rat der verantwortlichen Ärzte[4].

Aus all den obengenannten Gründen geht klar hervor, dass eine solche Infrastruktur wie das Abschiebegefängnis keinen Daseinsgrund in einer Demokratie hat und dass ihre reine Existenz Selbstverletzungsversuche und Selbstmordversuche von Inhaftierten ohne Anklage mit sich zieht. Dies geschieht regelmäßig, wenn sie keine Möglichkeit haben, um die eigenen Grundrechte einzufordern.

In der Zwischenzeit bestehen wir darauf, dass konstante Präsenz und unabhängige Beobachtung in einer solchen Situation von systematischem institutionellem Missbrauch absolut nötig sind. Während der letzten Wochen haben wir oft grundlose Einschränkungen in unserem Zugang zu den inhaftierten Menschen im Abschiebegefängnis vonseiten der Aufseher_Innen und der Beamt_Innen der Ausländerbehörde erfahren. In einem Fall erlaubte die verantwortliche Beamtin der Ausländerbehörde einem Geflüchteten nicht, einen anderen inhaftierten Geflüchteten zu besuchen, mit der offensichtlich rassistischen Argumentation, dass die unterschiedlichen Herkunftsländer ein Zusammentreffen nicht erlauben würden. Nachdem der Besucher sich beschwerte, wurde er mit physischer Gewalt von der Beamtin von dem Gelände des Gefängnisses geschmissen.

Wir fordern Herrn Frank Nürnberger auf, diese Hindernisse zu beseitigen und uns freien, ungestörten Zugang zu den Personen zu gewähren, welche in dem Abschiebegefängnis in Eisenhüttenstadt gefangen sind.

Wir fordern dringend:

  •   freien Zugang zum Abschiebegefängnis
  •    unbegrenzte Gesprächszeit mit den Inhaftierten
  •  direkten Zugang zur Liste der Inhaftierten
  •  unbeschränktes Faxen und Kopieren von Dokumenten innerhalb der Anstalt
  • die Möglichkeit, Infomaterial mitzubringen und zu verteilen

Das Netzwerk von Geflüchteten, Migrant_Innen und anderen solidarischen Menschen aus Berlin und Brandenburg

Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten

Pressekontakt: 0152 17246673


[1] http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de/pressemitteilungen/offener-brief-wegen-kontrollen-der-bundespolizei-in-eisenhuttenstadt

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Racial_Profiling#Gesetzliche_Lage

[3] http://www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/strafanzeige-gegen-strafrichterin-in-eisenhuettenstadt-332/

[4] http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/773284/?

 

To Mr. Frank Nürnberger

Director of ZAST and Deportation Prison Eisenhüttenstadt

We are a network of politically engaged refugees, migrants and other solidary persons frequenting regularly the deportation prison.

For several years, the Bundespolizei in Eisenhüttenstadt could execute extrajudicial deportations arresting asylum seekers on their way to make their application, making it difficult or even preventing them to exercise their rights1.

To have an idea of what we are talking about and to understand how the people get to be detained in the Deportation Prison under your administration, it is enough to observe the practice of the Bundespolizei at Frankfurt Oder’s train station. When the train Warsaw-Berlin arrives, the police officers carry out systematically racial profiled controls of every passenger with foreign aspect2. In this way asylum seekers are imprisoned straight away after a short court hearing, without an independent legal support.

Another exceptional circumstance in Eisenhüttenstadt is the relationship between the Bundespolizei and the Court of Justice. The Division of Powers which differentiates Democracy from a Police State doesn’t seem to exist for the asylum seekers. This is not only made visible by the location of both institutions in the same building, but also by the behavior of the police officers during the Court Hearings. They are allowed to interrupt the defense lawyers and to step on the floor at any moment with the tolerance of the judge.

The public media already reported about the political use of justice made by some judges of Eisenhüttenstadt’s Court. In October 2013 charge was pressed for perversion of justice and racial hatred against one of them by the Republican Lawyers Association.3

Concerning medical care in Eisenhüttenstadt Deportation Infrastructure, some cases were documented in which the public medical officer visited seriously traumatized persons and produced medical reports leading to the conclusion of „asylum abuse“ and medical advices as „suitable to expulsion“. Under our eyes, a Georgian asylum seeker was taken to the airport and expelled by the Bundespolizei directly from the psychiatric department of Eisenhüttenstadt public hospital against the advices of the responsible doctors, after 11 days of hunger strike.4

For all the reasons mentioned above, it’s clear that such an infrastructure as the deportation prison has no reason to exist in a democracy. Its existence brings people imprisoned without charges to harm themselves and even to attempt suicide. This is happening regularly when they have no way left to claim their basic rights.

Meanwhile we hold firmly that constant presence and independent observation are absolutely necessary in such a situation of systematic institutional abuse. During the last weeks, we have often experienced ungrounded restrictions in our access to people detained in the deportation centre created by the surveillance staff and officers of the Ausländerbehörde. In one case the responsible officer of the Ausländerbehörde did not allow a refugee to visit another imprisoned refugee with the obviously racist motivated argument of the different countries of origin. After the visitor started to complain, the officer used physical violence to kick him out of the area of the prison.

We urge Mr. Frank Nürnberger to remove these obstacles and to give us free access to the people whose lives get trapped in the Eisenhüttenstadt deportation prison.

We demand urgently:

  • Free access to the deportation prison

  • Unlimited speaking time with the inmates

  • Direct access to the list of the inmates

  • Unrestricted possibility to fax and copy documents inside the prison

  • The possibility to bring inside information material

The Network of refugees, migrants and other solidary persons from Berlin and Brandenburg.

Caravan for the Rights of Refugees and Migrants

1http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de/pressemitteilungen/offener-brief-wegen-kontrollen-der-bundespolizei-in-eisenhuttenstadt

22 https://de.wikipedia.org/wiki/Racial_Profiling#Gesetzliche_Lage

3http://www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/strafanzeige-gegen-strafrichterin-in-eisenhuettenstadt-332/

4http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/773284/?

noborder lasts forever 3: 21. – 23. Februar 2014

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No Border Lasts Forever Konferenz III
Rückblicke und Perspektiven antirassistischer Bewegungen
21.-23. Februar 2014 in Frankfurt/Main
Studierendenhaus/KOZ, Universität Frankfurt-Bockenheim, Mertonstr. 26-28

Vor zwei Jahren fand die letzte No Border Lasts Forever Konferenz in Frankfurt statt. Zwei Jahre andauernder Kämpfe und Veränderungen in antirassistischen und selbstorganisierten Bewegungen der Migrant_innen. Besonders hervorzuheben: der Aufstand der Flüchtlinge, der sich bundesweit und transnational (auch außerhalb Europas) in vielfältigen und starken Kämpfen und Initiativen ausdrückt.

Flüchtlinge marschierten von Würzburg nach Berlin. Dort ist der Oranienplatz seit mehr als einem Jahr besetzt und setzt damit die Lebensrealität von Flüchtlingen in Deutschland wieder auf die politische Tagesordnung. „Lampedusa in Hamburg“ überbrückte nicht nur die Distanz zwischen der Mittelmeerinsel und der norddeutschen Hafenstadt, sondern schuf zugleich in der Hansestadt ein starkes Netzwerk mit der klaren Forderung für ein Bleiberecht. In Baden-Württemberg nahm sich eine Gruppe afghanischer Flüchtlinge aus Ungarn ihr Recht auf Bewegungsfreiheit und stellt das Dublin II-Regime in Frage. Das Tribunal in Berlin prangerte systematisch die unmenschliche deutsche Flüchtlingspolitik an. In Bayern mobilisierte eine Kampagne mit Hungerstreiks, Märschen und Besetzungen viele Flüchtlinge und greift damit Regelungen wie Residenzpflicht und das Asylbewerberleistungsgesetz an, unterlegt wird dies von einer klaren Forderung fürs Bleiberecht. Bundesweit finden in Lagern selbstorganisierte Proteste und Touren statt, um die Isolation zu durchbrechen. Der Widerstand gegen Abschiebungen geht weiter und intensiviert sich. Die neue Sichtbarkeit von Flüchtlingskämpfen ist nicht auf Deutschland beschränkt, Protestcamps entstehen inmitten   großer europäischer Städte wie Amsterdam und Wien. Es finden Revolten und Hungerstreiks in vielen Gefängnissen entlang der Grenzen Europas statt, “no fingerprint”-Demonstrationen in Lampedusa, sit-in-Proteste in Tunis und wiederholte Massen-Stürmungen der Zäune von Ceuta and Melilla. Aktuell erleben wir eine transnationale Verstetigung und Verfestigung der Kämpfe um Bewegungsfreiheit.

Gleichzeitig sind wir mit der andauernden Grausamkeit des europäischen Grenzregimes konfrontiert, das unverändert Tod und Leid schafft. Trotz öffentlicher Aufmerksamkeit für die Tragödie von Lampedusa im Oktober 2013 wird Frontex ausgebaut und gestärkt und EuroSUR (European Surveillance System) eingeführt. Überall in Europa nehmen rassistische und populistische Mobilisierungen zu und bedrohen damit wichtige Errungenschaften und Fortschritte der letzten Jahrzehnte.

Aufgrund dieser Entwicklungen bedarf es eines politischen Raumes der Kommunikation, Diskussion und Solidarität, um unter Anerkennung ihrer Vielfalt und Diversität die antirassistischen Kämpfe voranzubringen sowie die Möglichkeit kollektiver Antworten zu befördern. Genau diesen Ort produktiver Diskussion soll die Konferenz bereitstellen, um über Visionen, Erfolge, Strategien, Herausforderungen und Fehler in solidarischem Miteinander sprechen können.

Die Konferenz wird von antirassistischen, selbstorganisierten Flüchtlings- und Migrant_innengruppen sowie transnationalen Netzwerken organisiert.

Erstunterzeichner_innen und Vorbereitungsgruppen:
Aktivist_innen von Asylumstrike Berlin, Lampedusa in Hamburg, The Voice Refugee Forum, Karawane München, Welcome to Europe, Afrique Europe Interact, kein Mensch ist illegal Hanau and Darmstadt, Teachers on the Road Mainz, Noborder Frankfurt, Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main, NoLager Bremen, Jugendliche Ohne Grenzen (JOG),Women in Exile and friends, Halk Evi Darmstadt, Refugee movement Sachsen-Anhalt, Aktion Bleiberecht Freiburg, Refugee Council Hamburg, No Lager Halle, Infomobile Greece

http://conference.w2eu.net/

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Demo gegen Abschiebungen durch Airberlin // 20.12. // 17Uhr // Flughafen Tegel Terminal C

*** NO BORDER! NO NATION! STOP DEPORTATION! ***

Mit Airberlin ans Traumziel? Oder per Abschiebung zurück in einen Albtraum?

Die bei vielen für den Urlaub als Billig-Airline beliebte Fluggesellschaft Airberlin schafft es, unbemerkt von der Öffentlichkeit, Menschen gegen ihren Willen in ein Leben von Angst, Armut und Diskriminierung zu schicken.

Kommt alle zur
Demo gegen Abschiebungen durch Airberlin

Freitag 20.12.2013 // 17 Uhr // Flughafen Tegel Terminal C

Nach den Protesten vom Europäischen Tag der Migration am 18.12.2013 setzen wir unseren Kampf gegen eine unmenschliche Flüchtlingspolitik fort, gegen die Dublin II Gesetzgebung, gegen jedes Abschiebegefängnis, jedes Lager und gegen die „Grenzschutzagentur“ Frontex, die die tödliche europäische Asylpolitik gnadenlos umsetzt.

Am 20.12. kämpfen wir gegen einen wichtigen Akteur dieser Abschiebemaschinerie. Die Fluggesellschaft Airberlin stellt Profite über Menschenleben und schlägt Gewinn aus dem durch Dublin II entstandenen Abschiebemarkt.

Dabei führt der Konzern Hand in Hand mit deutschen Behörden und der europäischen „Grenzschutzagentur“ Frontex Abschiebungen im Rahmen der Dublin II Gesetzgebung durch.
Finanziert von den jeweiligen Abschiebe-Behörden ist Airberlin also nicht nur Teil der europäischen Abschottungsmaschinerie. Die Fluglinie erzielt auch noch massiven Gewinn durch diese menschenverachtende Praxis.
Allein 2012 wurden im Zuge von 11 Sammelabschiebungen 525 Menschen von Airberlin in Kooperation mit Frontex abgeschoben. Dabei wurden u.a. Sinti und Roma und Tschetschen_innen gewaltsam in die offensichtlich desaströsen Zustände in ihren Heimatländern zurück gezwungen. Die Verantwortlichen der Airline interessiert das wenig. Mit jeder durch den Staat für eine Sammelabschiebung gecharterten Maschine erzielen sie 60.000 Euro. Die Auslieferung von Menschenleben ist mit einem Jahresumsatz von fast einer dreiviertel Millionen Euro ein einträgliches Geschäft. Hinzu kommen zahllose Einzelabschiebungen, deren Konditionen nicht veröffentlicht werden. Auch sonst tut Airberlin alles dafür, dass diese verbrecherischen und menschenverachtenden Geschäfte nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Davon haben wir genug! Die rechtswidrige, menschenverachtende und rassistische Unternehmenspolitik von Airberlin werden wir nicht länger hinnehmen. Jede dieser Abschiebungen ist eine zu viel. Wer Profit daraus schlägt, Menschen gewaltsam zu verschleppen, muss immer und überall mit Widerstand rechnen!

Deshalb rufen wir auf, gemeinsam dagegen vorzugehen und Airberlin als Helfershelfer und Profiteur einer unmenschlichen Asylpolitik öffentlich zu machen.  Lasst uns gemeinsam unseren Protest gegen Abschiebungen am 20.12.2013 um 17 Uhr ins Terminal C im Flughafen Tegel tragen.

Solidarität muss praktisch werden! Keine Abschiebung nach nirgendwo! Schließung aller Abschiebegefängnisse und aller Lager! Kein Mensch ist illegal!

*** NO BORDER! NO NATION! STOP DEPORTATION! ***

Heading off to your dream destination with Airberlin? Or being deported back into a nightmare?

Airberlin, an airline loved by many for its cheap vacation fares, manages, unnoticed by the public, to send people back into lives of fear, poverty and discrimination against their will.

Join the
Demo against deportations by Airberlin

Friday 20.12.2013 // 5 pm // Tegel Airport  Terminal C

After the protests on the European Day of Migration on 18.12.2013, we will continue our struggle against inhumane refugee policies, against the Dublin II Regulation, against all deportation jails, all camps and the ‚border protection agency‘ Frontex, which mercilessly implements Europe’s deadly asylum policies.

On 20.12., we take the fight to an important actor in the deportation machine. Airberlin places profits over human life and makes money off the deportation market created by Dublin II.

Airberlin carries out deportations hand in hand with the German authorities and the ‚border protection agency‘ Frontex. Financed by the relevant deportation agencies, the corporation is not only a part of the machinery dedicated to sealing off Europe; it also profits massive from these inhumane practices.
In 2012 alone, Airberlin, in cooperation with Frontex, deported 525 people in 11 mass deportations. As a result Sinti, Roma and Chechens, among others, were violently forced back in to what are obviously disasterous situations in their home countries. This is of no concern, however, for the responsible parties at the airline. With each plane chartered by the state for a mass deportation, they make €60,000. With an annual turnover almost three quarters of a million euros, deportation is a lucrative business. On top of this are the countless individual deportations, whose conditions are not made public. Indeed, Airberlin does everything it can to make sure that its criminal and inhumane dealings remain a secret.

We’ve had enough! We won’t stand for the unlawful, inhumane and racist corporate policy of Airberlin any longer. Each of these deportations is one too many. Whoever profits from deportation of human beings, any time and anywhere, can count on resistance.

This is why we are calling for people to join us in taking action against Airberlin and making them known as accomplices and profiteers of inhumane asylum policies. Let’s take our protest against deportation  to Terminal C of Tegel Airport on friday the 20.12.2013.

Solidarity is hands on! No deportations to anywhere! Close all deportation prisons and all camps! No one is illegal!

Strafanzeige gegen Strafrichterin in Eisenhüttenstadt

Quelle: Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV)

Eisenhüttenstadt – Strafanzeige wegen Rechtsbeugung, Volksverhetzung und Beleidigung gegen die Richterin am Amtsgericht Eisenhüttenstadt Heidemarie Petzoldt gestellt.

Petzoldt verurteilte in einer Vielzahl von Fällen regelmäßig Flüchtlinge» im Namen des Volkes« in Schnellverfahren zu Freiheitsstrafen. Der RAV und die VDJ unterstützen diese Strafanzeige und stellen hierzu fest:

Eine Richterin, die in ihren Urteilen Flüchtlinge »Asyltouristen« nennt, die sich zu einem »Heer von Illegalen« formierten, um in Deutschland ihren »Lebensunterhalt durch Straftaten« zu sichern, ist für einen demokratischen Rechtsstaat untragbar. Eine Richterin, die behauptet, Asylanträge führten »in Ballungsgebieten immer mehr zu Spannungen«, die sich »dann in der Regel durch weitere Straftaten entladen«, betreibt rassistische Propaganda im Schnelldurchgang, statt Recht zu prüfen (Aktenzeichen 22 Ds 278 Js 18154/12, 183112; 22 Ds 270 Js 18152112, 184/12; 22 Ds 273 Js 15273/13, 138/13).

Das Politikmagazin Report Mainz berichtete bereits in seiner Sendung vom 2. Juli 2013 unter dem Titel »Justiz gnadenlos« von den Zuständen beim Amtsgericht Eisenhüttenstadt (Brandenburg). Dort werden Flüchtlinge, die über Polen nach Deutschland einreisen, um hier Asyl zu beantragen, inhaftiert und als »Asyltouristen« kriminalisiert. Der Bremer Völkerrechtler Andreas Fischer-Lescano charakterisierte in der Sendung die Dimension des Unrechtsgehalts der Urteilsbegründungen von Petzold als so schwerwiegend, dass sie »den Boden des Rechts verlassen« habe.

Rechtsanwalt Volker Gerloff hat nun gegen die Richterin Petzoldt Strafanzeige gestellt. Die Richterin habe durch die Verhängung von Freiheitsstrafen im sog. Schnellverfahren das Recht gebeugt: »Kurze Freiheitsstrafen sind nur in krassen Ausnahmefällen zulässig, wenn unter keinen Umständen mehr darauf verzichtet werden kann. Im Schnellverfahren und bei Ersttätern ist dies rechtsstaatlich unmöglich«, so Gerloff. Im Übrigen sei der Text der Urteilsgründe so weit von juristischen Darlegungen entfernt, dass auch darin eine Beugung des Rechts erkannt werden müsse. Die von der Richterin erkannten Spannungen, die »weitere Straftaten« provozieren würden, seien als Volksverhetzung einzustufen. Die Richterin erkläre damit schließlich, dass eine gewalttätige Reaktion der deutschen Bevölkerung (»durch weitere Straftaten«) auf das »Heer der Illegalen« logisch und geradezu zwangsläufig sei.

Der RAV-Vorsitzende Martin Heiming stellt dazu fest, »dass durch die Verurteilungen eine Stigmatisierung erfolge und durch die Wortwahl der Richterin in den Urteilsbegründungen eine Diffamierung von Menschen stattfinde, die Schutz suchten und ihre Rechte wahrnehmen wollten. Ihre Äußerungen können Rassisten sogar zu Gewalttaten ermutigen. Die Staatsanwaltschaft sollte die Strafanzeige des Kollegen Gerloff sehr sorgfältig prüfen.«

weitere Informationen:

Report Mainz:
www.swr.de/report/justiz-gnadenlos/-/id=233454/nid=233454/did=11478690/1pr3i56/index.html

Süddeutsche Zeitung:
www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlingspolitik-in-deutschland-zynischer-geht-es-kaum-1.1774063

Berliner Morgenpost:
www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article118050595/Umstrittene-Abschiebehaft-Fluechtlinge-treten-in-Hungerstreik.html

RAV:
www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/justiz-darf-nicht-kritisiert-werden-br-landgericht-ffo-schuetzt-entgleisungen-am-amtsgericht-eisenhuettenstadt-306/page1/

VDJ:
www.vdj.de/index.php

Für Nachfragen:
Rechtsanwalt Volker Gerloff:
www.aufenthaltundsoziales.de

Flüchtlinge aus Tschetschenien: Zu Hause gefährdet, in Deutschland von Abschiebung bedroht

Artikel erschienen am 24.09.2013 auf PROASYL.NET

Die nackte Angst vor staatlicher Willkür und Gewalt beherrscht das Leben in Tschetschenien. Statt einen Schutzstatus zu erhalten droht tschetschenischen Asylsuchenden die Abschiebung nach Polen.

 

Flüchtlinge wie Ruslan M. berichten von staatlicher Willkür und Gewalt. „Ich habe Angst, dass sie mich wieder holen und foltern werden. Ich bin mir sicher, dass ich nicht zurück kann“, sagte er bei seiner Ankunft in Deutschland. Tausende Flüchtlinge aus Tschetschenien sind in den letzten Monaten vor der Skrupellosigkeit des tschetschenischen Machtapparats geflohen. Nach einem Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) drohen mutmaßlichen Gegnern des Kadyrow-Regimes und deren Verwandten „Verschwindenlassen“ und Folter in Haftanstalten oder an geheimen Orten.

EGMR urteilt zu Tschetschenien

Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof (EGMR)  hat am 22. Januar 2013 im Fall eines verschwundenen Tschetschenen entschieden, der von Kadyrows Sicherheitskräften entführt und misshandelt worden war. Da es zu keinerlei Strafverfolgung der Tat gekommen war, stellte der Gerichtshof eine Verletzung von Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention fest – also eine unmenschliche und erniedrigende Behandlung. Am 5. September 2013 erklärte der EGMR eine drohende Abschiebung aus Schweden nach Tschetschenien für menschenrechtswidrig. Das tschetschenische Ehepaar war ebenfalls gefoltert und entführt worden.

Situation von Frauen zunehmend verschlechtert

Unter Kadyrow hat sich auch die Situation der Frauen in Tschetschenien zunehmend verschlechtert, wie etwa Amnesty International berichtet. Gewalt und sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen nehmen zu und werden von staatlicher Seite nicht geahndet. Die Unterdrückung von Frauen wird – etwa durch halboffizielle Bekleidungsvorschriften – vom Kadyrow-Regime goutiert.

In Deutschland liegt die Russische Förderation seit Februar 2013 konstant an der Spitze der Herkunftsländer von Asylsuchenden, noch vor Syrien und Afghanistan. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) waren rund 90 Prozent der Menschen mit russischer Staatsangehörigkeit, die in Deutschland zwischen Januar und April 2013 Asyl beantragt hatten, Tschetschenen. Behauptungen, dass sie aus asylfremden Gründen kämen, rechtfertigen sich nicht: Im ersten Halbjahr 2013 lag die Schutzquote bei rund 20 Prozent – statistisch gesehen rund jeder Fünfte Asylsuchende aus der russischen Föderation bekam einen positiven Asylbescheid.

Sinkende Schutzquote

Die Schutzquote ist zuletzt allerdings wieder leicht gesunken. Das spricht dafür, dass die Behörden ihren Kurs gegenüber tschetschenischen Flüchtlingen verschärfen: Seit Jahresbeginn schrumpfte die Bearbeitungsdauer für Asylanträge aus der Russischen Föderation von ehemals über neun auf nur noch knapp über sechs Monate – in einer Zeit, in der die durchschnittliche Verfahrensdauer insgesamt länger wurde.

Nur ein Bruchteil der Asylverfahren für Menschen aus der Russischen Föderation wird überhaupt inhaltlich entschieden, da in der Regel eine Rücküberstellung nach Polen – wegen der EU-internen Zuständigkeitsregelung (Dublin-Verordnung) – angestrebt wird. Das Bundesamt prüft dann keine Asylgründe, sondern nur den Reiseweg – und der führt die meisten Tschtschenen über Polen nach Deutschland. Nach dem Dublin-System ist der EU-Staat zuständig, über den die Einreise in die EU stattfand. Auch in Bezug auf die Dublin-Fälle zeigt sich ein verschärfter Kurs der deutschen Behörden: Während im Januar 2013 noch 43 Prozent der Entscheidungen formell – in der Regel sind dies Dublin-Fälle – getroffen wurden, waren es im August bereits fast doppelt so viele (82 Prozent).

Zynismus beim Amtsgericht Eisenhüttenstadt

Schlagzeilen machte in den letzten Monaten das Amtsgericht Eisenhüttenstadt, das in den letzten Monaten immer wieder Asylsuchende kriminalisierte, die aus Polen nach Deutschland gekommen sind. Wegen des Vorwurfs der „illegalen Einreise“ wurden sogar Freiheitsstrafen ausgesprochen. Mit einem Rechtsstaat hat es nur noch wenig zu tun, wenn die Richterin in ihren Urteilen feststellt: Die Flüchtlinge seien „Asyltouristen“, die zu  einem „Heer der Illegalen“ gehören.  Deren Lebensunterhalt würde  „in der  Regel durch Straftaten“ verdient, meist „Schwarzarbeit“. Das  führe dazu, dass  es  in „Ballungsgebieten immer mehr zu  Spannungen“ komme, die sich „durch weitere Straftaten entladen“ würden. Der Juraprofessor Fischer-Lescano bezeichnet diese Kriminalisierung nicht nur als völkerrechtswidrig, sondern als zynisch. Die Rechtswidrigkeit der Strafurteile sei ganz offensichtlich.

Die tschetschenischen Asylsuchenden müssen sich nicht nur gegen die Kriminalisierung, sondern auch gegen die Abschiebungen nach Polen wehren und machen systemische Mängel des Asylsystems geltend. Sie beklagen die mangelhafte Gesundheitsversorgung und Therapie für Traumata. Weiterhin müssen nach Polen abgeschobene Asylsuchende damit rechnen, inhaftiert zu werden. Ob dann eine schnelle Überprüfung der Haft stattfindet, hängt von den Zugängen zu einer unabhängigen Beratung ab.

Drohende Obdachlosigkeit in Polen

Weiterhin sind vor allem anerkannte Flüchtlinge von Obdachlosigkeit betroffen. In einer Untersuchung (2013) zur Obdachlosigkeit und Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden kommt UNHCR zum Ergebnis, dass nur 20 Prozent der als schutzbedürftig Anerkannten sicher und angemessen untergebracht sind. Dreißig bis 40 Prozent landen in der Obdachlosigkeit, fünf bis zehn Prozent sogar auf der Straße.

Als Ursache nennt UNHCR verschiedene Gründe, darunter die vom Land selbst erklärten geringen Versorgungskapazitäten in den meisten Regionen und fehlende Konzepte gegen Obdachlosigkeit generell. Die Helsinki Foundation for Human Rights (HFHR) bestätigt zudem, dass es keinen hinreichenden effektiven Rechtsschutz in Asylverfahren gibt, so dass eine Verletzung des Zurückweisungsverbots – bis in den Verfolgerstaat – droht. Einige Verwaltungsgerichte haben dies zum Anlass genommen, die Abschiebungen nach Polen zu stoppen und die Lage in Polen genauer zu überprüfen.

Veranstaltungsankündigung/event-announcement – 06.09.

Nächsten Freitag wird es zwei Veranstaltungen geben, die sich mit der Situation von Refugees in Deutschland und Eisenhüttenstadt im Speziellen auseinandersetzen.

Zum einen eine Infoveranstaltung auf deutsch und englisch im Parkclub in Fürstenwalde/Spree um 18:30 Uhr.

In der Garage in Frankfurt/Oder gibt es einen Solikneipenabend.

 

Next friday are two events, that are dealing with the situation of refugees in Germany and especially in Eisenhüttenstadt.

There is an info-meeting in german and english at Parkclub in Fürstenwalde/Spree at 18:30.

In the Garage in Frankfurt/Oder will be a soli-bar evening.

 

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Erklärung der hungerstreikenden Flüchtlinge im Protestcamp Bitterfeld

http://refugeeprotestbtf.blogsport.de

Drei Menschen befinden sich nunmehr seit fast 11 Tagen im Hungerstreik. Zwei Menschen sind heute mit in den Hungerstreik getreten, um mit uns weiter für unsere Forderungen zu kämpfen.Unser Kampf steht im Zusammenhang mit den bundesweit stattfindenden Flüchtlingsprotesten in Deutschland unsere Forderungen verbinden unseren Kampf zu einem lauten Aufschrei!

Anerkennung der Asylgründe und ein Bleiberecht!
Abschaffung der Residenzpflicht!
Abschaffung der Lager! Freie Wahl des Wohnortes und der Wohnung!
Das Recht zur Arbeit und Lernen (Sprache, Berufsausbildung…)
Sofortiger universeller Abschiebestopp!

Wir befinden uns im Hungerstreik, da wir uns fühlen wie Geister und wir das Gefühl haben, dass niemand uns erhört. Der Hungerstreik wird andauern, bis es endlich jemand gibt der sich Verantwortlich fühlt für uns und unsere Forderungen. Um den Hungerstreik zu beenden, fordern wir daher die verantwortlichen Behörden auf, über unsere folgenden Forderungen zu entscheiden, oder zu verhandeln!

Wir wollen endlich eine reelle Chance auf eine Arbeitserlaubnis!
Wir haben offiziell das Recht auf eine Arbeitserlaubnis im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, da wir die Voraussetzungen dafür erfüllen, doch die Ausländerbehörde verweigert uns diese.
Wir wollen eine Chance auf Teilnahme an einem Deutschsprachkurs! Wir fordern die Verantwortlichen auf, einen Weg der Finanzierung des Kurses zu ermöglichen!
Wir sind alle schon einige Jahre in Deutschland und wollen endlich die Möglichkeit uns in der Gesellschaft verständlich zu machen, um mit den Menschen in unseren Wohnorten in den Dialog treten zu können.
Wir wollen, dass das Thema der Unterbringung von Flüchtlingen lösungsorientiert diskutiert und behandelt wird! Wir wollen Zusicherungen auf reale Veränderungen!
Wir lassen uns nicht abspeisen mit der angeblichen Unterbringung in Wohngruppen, welche realistisch betrachtet für niemanden umsetzbar ist. Wir wollen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, welcher konkrete Verbesserungen und Veränderungen für alle Flüchtlinge möglich macht.

Wir fordern hiermit alle Verantwortlichen auf, mit uns in den Dialog zu treten! Zeigen Sie endlich Verantwortung und Menschlichkeit!
Die Forderungen, welche wir stellen sind möglich, es liegt an ihnen jetzt endlich zu reagieren!

Die hungerstreikenden Flüchtlinge aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Halle (Saale) und Harpke

Screeing of „Residenzpflicht“ documentary in Eisenhüttenstadt Friday, August 23th / 8 pm

Screeing of "Residenzpflicht" documentary in Eisenhüttenstadt
Friday, August 23th  / 8 pm 
The movie will be shown in Robert-Koch Straße 37/ Diakonie

The movie by Denise Gracia Bergt shows different kinds of protest forms
against colonial injustices to fight for equal rights, because freedom of
movement is everybody’s right.

Afterwards there will be room for discussion.

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Vorführung der "Residenzpflicht" Dokumentation in 
Eisenhüttenstadt am Freitag dem 23. August um 20:00 Uhr

Der Film wird gezeigt in der Robert-Koch Straße 37/Diakonie

Der Film von Denise Gracia Bergt zeigt die verschiedenen Arten der Protestformen gegen 
koloniale Ungerechtigkeit um für gleich Rechte zu kämpfen, denn die Bewegungsfreiheit ist das Recht aller.

Danach wird es Raum für eine Diskussion geben.

Zutritt für Flüchtlinge verboten/ Access for Refugees denied

CaffeeOberschleuse

INFORIOT A hint on the level of racist discrimination in Eisenhüttenstadt: The „Spielcafé Oberschleuse“ recently put up a sign at its entrance: From now on it is forbidden for refugees to enter the establishment.

The siEHuettenstadtVerbotsschildgn reads:

„Attention! Because of sociopolitical measures entrance is forbidden for inhabitants of the refugee center (ZABH). We are obliged to respect the law. Infringements force us to excercise property rights and to report to the police because ot trespassing (§123).“

The „Spielcafé“ serves as a Casino but also as an Internet Café, which was used by many refugees. Which „laws“ and which „sociopolitical measure“ are referred to, is not made clear in more detail on the sign, which is put up in German and Russian language.

Refugees and antirascist groups protest for month [1] against the situation in the ZABH camp, the deportation jail and the racist exclusion in Eisenhüttenstadt.

 

INFORIOT Ein Schlaglicht auf das Ausmaß rassistischer Ausgrenzung in Eisenhüttenstadt: Das „Spielcafé Oberschleuse“ hat jüngst einen Verbotshinweis am Eingang angebracht. BewohnerInnen der zentralen Erstaufnahmestelle für Asylsuchende ist demzufolge der Zutritt zum Café verboten.

Der Text des Schildes:
„Achtung! Aufgrund von sozialpolitischen Maßnahmen ist das Betreten von Bewohnern des Asylheimes (ZABH) nicht gestattet. Wir sind verpflichtet, uns an die gesetzlichen Vorschriften zu halten. Bei Nichteinhaltung werden wir von unserem Hausrecht Gebrauch machen und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch (§123) bei der Polizei tätigen.“

Das „Spielcafé“ ist nicht nur ein Casino, sondern unterhält auch ein Internetcafé, welches bisher von den Flüchtlingen genutzt wurde. Mit welchen „gesetzlichen Vorschriften“ die rassistische Ausgrenzung genau begründet wird und um welche „sozialpolitischen Maßnahmen“ die Rede ist, ist auf dem Verbotsschild, welches auf Deutsch und auf Russisch aushängt, nicht vermerkt.

Flüchtlinge und antirassistische Initiativen protestieren seit Monaten [1] gegen die Zustände in der Erstaufnahmestelle, das Abschiebegefängnis am gleichen Ort sowie die rassistische Ausgrenzung in Eisenhüttenstadt.

http://inforiot.de/artikel/zutritt-fuer-fluechtlinge-verboten

 

Rechte von Kindern auf öffentliches, gemeinsames „Spielen und Baden“, auf Kindheit und Unbeschwertheit ohne Rassismus sowie Diskriminierungen erkämpfen!

Mehrere hundert Refugees, Unterstützer_innen und Anwohner_innen fanden sich gestern gemeinsam zum „1. Berlinweiten antirassistischen Spiel- und Badetag“ mit über 100 Kindern und Eltern aus dem Lager Eisenhüttenstadt sowie über 70 aus der Flüchtlingsunterkunft „Marie-Schlei-Haus“ in Reinickendorf im Refugeecamp auf dem Oranienplatz zusammen. Dies wurde über selbstorganisierte Bustransfere, das Refugeecamp auf dem Oranienplatz und eine Duldung durch das Bezirksamt Kreuzberg ermöglicht und konnte trotz de facto Verbot in Reinickendorf und kurzfristiger Umverlegung nach Kreuzberg umgesetzt werden. Damit konnte ein eindrucksvolles, lautstarkes und fröhliches Zeichen gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung im Alltag, in
Institutionen und Strukturen, gegen Entrechtung und sozial bzw. rassistische Hierarchisierung, Isolierung und Hetze und für eine selbstbestimmt, gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft durch und mit Geflüchteten gesetzt werden.

Im Lager in Eisenhüttenstadt leben derzeit über 700 Geflüchtete, davon ca. 300 Kinder. Es gibt nicht nur dort kein adäquates Freizeit- und Beschäftigungsangebot,
Spielgeräte sind kaum vorhanden, teilweise nicht nutzbar. Rassistische Sondergesetze ermöglichen den Heranwachsenden einen nur sehr eingeschränkten Zugang zu
staatlichen und unter finanziellen Aspekten zu privaten Bildungsangeboten. Mit der gestrigen Beteiligung konnte ein weiteres Mal die Isolation der Geflüchteten in
Eisenhüttenstadt gebrochen und eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden. Das Thema ist aber keineswegs beendet. Derzeit wird eine Klage im Rahmen eines Fortsetzungsfeststellungsverfahrens gegen das unserer Meinung rechtswidrige Verbot eines Teils der Mittel und Ausdrucksformen des „1. Berlinweiten antirassistischen Spiel- und Badetages“ durch die Berliner Polizei sowie dessen Bestätigung durch das Berliner Verwaltungsgericht geprüft. Auch sind weitere Aktionen nicht nur in Reinickendorf in Diskussion und Planung. Eine immer weiter gehende Einschränkung von Versammlungsfreiheit und Bürger_innenrechten, die auch gleichberechtigt und selbstbestimmt Geflüchteten und ihren Kindern zustehen, kann nicht hingenommen werden. Entpolitisierte und kommerzialisierte, der politisch motivierten Sondernutzungsgesetzgebungen unterworfene Veranstaltungen können und dürfen die Versammlungsfreiheit nicht ersetzen.

Es ist ein politischer Skandal, wenn die Versammlungsbehörde und das Verwaltungsgericht in Berlin Rechte von Kindern auf das öffentliche „Spielen und Baden“ per se entpolitisiert, verbietet und aushebelt sowie einer Kommerzialisierung und willkürlichen, poltisch motivierten Prozedur von Sondergenehmigungen und Bürokratie Vorschub leistet. Insbesondere, wenn es Kinder betrifft, die direkt oder indirekt ohnehin von rassistischer und sozialer Ausgrenzung, von Kriegen, Gewalt und Armut betroffen  sind und vor den Folgen auch der herrschenden Politik Deutschlands in der Welt zu uns fliehen mussten
sowie dann auch noch zusätzlich entrechtet bzw. von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden. Gerade in Zusammenhang mit der derzeitigen generellen Stimmungs- und Panikmache  der herrschenden Politik sowie Teilen der Medien und Gesellschaft in Deutschland und Berlin gegen Geflüchtete und den rassistischen und sozial ausgrenzenden Äußerungen von selbsternannten Bürgerinitiativen wie zuletzt in
Reinickendorf, die einerseits eine Unterkunft für Geflüchtete in ihrem Wohnumfeld verhindern und andererseits Kindern von Geflüchteten mit zu dem pauschal kriminalisierenden Zuschreibungen den Zugang zu einem Spielplatz verwehrt. Auch die Kritik an den politisch Verantwortlichen für das Fehlen oder den katastrophalen Zuständen von öffentlichen Spielplätzen für alle Kinder, deren Aufrechterhaltung oder Neubau eine mögliche rassistische oder soziale Ausgrenzung einschränken und eine gesellschaftliche Teilhabe aller ermöglichen könnte, wird komplett ausgeklammert.

Kinder und Kinderrechte dürfen aber nicht länger der neoliberalen Sparlogik und Rassismus zum Opfer fallen und unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden. Kinder haben ein Recht auf eine unbeschwerte, selbstbestimmte und gleichberechtigte Kindheit sowie darauf, sich öffentlich zum gemeinsamen Spielen und Baden zu „versammeln“, unabhängig von einer vermeintlichen Herkunft, der Religion, der Lebensweise oder dem sozialen Status. Es ist ihr Recht und dass aller Eltern, dies auch öffentlich im Rahmen der Versammlungsfreiheit kund tun sowie einfordern zu können und die Mttel selbst zu wählen, ohne langwierige bürokratische Hindernisse überwinden zu mssen. Dass dies am gestrigen Samstag nur uneingeschränkt im Refugeecamp auf dem Oranienplatz möglich gemacht werden konnte und lediglich vom Bezirksamt Kreuzberg durch eine Duldung unterstützt wurde, ist bezeichnend für die herrschende Politik bundesweit sowie des Landes Berlin und die politisch Verantwortlichen des Bezirksamtes Reinickendorf, nicht nur beim Umgang bzw. Nicht-Umgang mit Geflüchteten.

*Flucht ist weder ein Vergnügen noch ein Verbrechen!
Abschiebungen, Lager und Abschiebeknäste abschaffen!
No Border, No Nation! Break Isolation!

Wir sind hier, weil Ihr unsere Länder zerstört!**
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**Niemand**  **ist illegal! Bleiberecht für alle!*

Netzwerk protestierender Refugees und Unterstützer*Innen aus Berlin und Brandenburg